Woher kommt der Name Weinsbergtal?

WeinsbergschneckeWeinsbergschnecke

Diese Frage kam gestern bei der naturhistorischen Wanderung auf.

Hieße es Weinbergtal, so wäre die Annahme, dass hier früher einmal Wein angebaut wurde, naheliegend. Dem ist aber nicht so.

Wer könnte Auskunft geben? Bemühen wir die grüne Bibel der Solinger Stadtgeschichte, die Ausführungen des verstorbenen Stadthistoriker Heins Rosenthal, Solingen - Geschichte einer Stadt. In Band I auf Seite 84 geht er auf die Zehntpflicht im Kirchspiel Solingen ein, speziell welche Höfe und Liegenschaften dem Höhscheider Hof zehntpflichtig (abgabepflichtig, eine Art Steuer, der zehnte Teil) waren. Seine Ausführungen beruhen auf dem Zehntenverzeichnis der Abtei Altenberg aus dem Jahre 1488, Liber Decimarum in Solingen de Ao. 1488 genannt.

Ausschnitt aus dem Liber Decimarum 1488: Item, der Wynatzbergh est decimalis cum omnibus agris et solvit pullumAusschnitt aus dem Liber Decimarum 1488: Item, der Wynatzbergh est decimalis cum omnibus agris et solvit pullum

Wir lesen:

Die Aufzählung im Liber Decimarum erfolgte wie beim Solinger Zehnten im Nacheinander des Abholens; man kann den Weg schrittweise auf der Karte verfolgen. Die Zehnterhebung setzte mit dem Gut im Kremelsieffen ein (d. i. die heutige Hofschaft Siepen im Pilghauser Tal), verlief über einige Splisse der nicht mehr zum Höhscheider Bereich gehörenden Höfe zur Linden und Erf und ging die Hänge des Weinsbergtales ab. In diesem Tal setzte die Erhebung am Platzberg ein,- an dessen Fuße liegt der Platzhof -, dann am Weinsberg (Wynantzberg) und dann tritt mit dem „Krüdersberg“ ein nicht mehr bekannter Name auf. Hierbei muß es sich um den Abhang gehandelt haben, der vom ev. Friedhof gegen Hingenberg abfällt. Auf den Krüdersberg folgte der „Schremgensberg“, vermutlich der ältere Name für Hingenberg. Der Name Hingenberg tritt erst 1715 bei Ploennies auf. Von hier ging die Zehnterhebung in Richtung auf Höhscheid zu Evertz Hof, der vielleicht in Mittel-Höhscheid gelegen hat. Unterhalb dieses Hofes lag und liegt der Brockenberg, auf dem sich ein Kamp befand, der in den „Kreyffz Broich“ gehörte und zehntpflichtig war. Bei diesem „Bruch“ kann es sich nur um Johänntgesbruch gehandelt haben, das um 1488 einem gewissen Krebs gehört haben muß. Vom Brockenberg aus wandte sich der Zehntheber nach Unten-Höhscheid und schließlich zu dem kunnedepflichtigen „Daniels Guet van Hoeschet“. Das war Oberhöhscheid als Stammgut mit den jüngeren Höfen Bauermannskulle, Neuenkamp und Neuenhof.

Dann folgt der „Aleffzbergh“ (Adolfsberg). Der Reihenfolge nach müßte es sich um Kohlsberg gehandelt haben, das 1555 Weenhauwersberg, 1684 Wienhoffsberger Sohl und erst 1700 Kohlsberg hieß. Denkt man an das oben angeführte Beispiel des Kannenhofes mit seinen verschiedenartigen Namen, so wird man die Gleichsetzung von Aleffzbergh mit Kohlsberg für möglich halten. Dieser Hof hatte noch im nördlich gegenüberliegenden Schirpenberg (Skyrpenbergh) ein Stück Land, von dem der Zehnte auf dem Höhscheider Hof gezahlt wurde. Auf den Aleffzbergh folgt in der Aufzählung der „Byrtzenbergh“, und darauf der Hof zur Wippe („zor Wyppen“) und die Wipperaue, beide auch zehntpflichtig nach Höhscheid. Infolgedessen wird man den Byrtzenbergh als Höhmannsberg ansprechen dürfen. Damit endet die Beschreibung im Liber decimarum für den Zehnten im Höhscheider Hofbereich.

Wynantzberg ? Damit könnte man ableiten (genetivus possessivus), der Berg des Wynantz, Wynants, Winants, Windands.

Der Name Winand oder Wienand soll sich zusammensetzen aus dem Althochdeutschen. Bedeutung: wini = „Freund“ und nantha (germanisch) = „wagemutig; tapfer“.

Also könnte es der Berg des tapferen Freundes sein.

Aus Wynantzberg wurde im Laufe der Geschichte durch Schreib- und Hörfehler Weinsberg. Alles klar? Wer eine bessere Erklärung oder Zweifel daran hat, der möge seinen Senf im Kommentar hinterlassen. Bin gespannt.

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Kommentare

Wein

Hi

ich habe dort einen Garten. In diesem Garten sind Abschnitte für Beeren. Und das nicht zu knapp. Natürlich habe ich das meiste schon weg gemacht, denn es waren so viele dass man sich kaum dort bewegen konnte, ohne sich die Beine zu verletzten. Meiner Einschätzung nach waren es circa 6 Reihen in der Länge von jeweils 8 Meter und einer Breite von circa 1,50 Meter. Dies lässt auf eine starke Beerengewinnung schließen. Was macht man unter anderem aus Beeren? Wein.

Wie mir zu Ohren kam, sahen vor vielen Jahren alle Gärten so aus. Spricht es scheint ein Gebiet gewesen zu sein, bei dem nicht nur in meinem jetzigen Garten diese Reihen von Beerensträucher waren, sondern es scheinen unzählig viele gewesen zu sein. Wenn dort kein Wein gewonnen wurde, wäre es interessant zu erfahren, was sonst aus diesen mehreren Tonnen Beeren die man dort gewinnen konnte hergestellt wurde.

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