Volksmund prägte das Wort "Pfaffenberg"

Hier eine Erklärung über die Entstehung des Namens „Paffenberg“:

Es war in jener Zeit, als die Solinger Messer- und Schwertschleifer noch sämtlich auf die Wasserkraft der Wupper angewiesen waren. Wie bis in die neuere Zeit, so wurde auch damals der große Schleifstein gemeinschaftlich benutzt. War der Stein abgenutzt, dann musste der neue Stein auch gemeinschaftlich wieder aufmontiert oder aufgemacht, wie es die Schleifer nannten, werden, was immerhin eine ganze Tagesarbeit erforderte. Dass hierbei auch der „Schleifertrost“, der Branntwein nicht fehlte, versteht sich am Rande.

Steinenhaus: aus dem Jahre 1855Steinenhaus: aus dem Jahre 1855

An einem heißen Sommertag hatten sechs Solinger Schleifer im Balkhauser Kotten einen neuen Stein aufgemacht, und nach getaner Arbeit schwankten sie ihrer Behausung zu. Doch als sie bei der Wirtschaft an der Meisenburg ankamen, kehrten sie ein, denn in Anbetracht der Tatsache, dass alles ohne Unfall abgelaufen war, kam es auf einige Schnäpse mehr oder weniger nicht an. Sie saßen noch nicht lange dort, als der Witzheldener Pfarrer die Wirtschaft betrat. Dieser bestellte sich eine Flasche Sprudelwasser, was den Schleifern aber keineswegs behagte. Einer von ihnen bestellte sich einen Schnaps. Er nahm ihn, brachte ihm dem Pfarrer und sage: „Prost.“ Aber dieser lehnte ab mit der Bemerkung: „Ich trinke keinen Alkohol.“ „Was, Du trinkst keinen Schnaps? Das wollen wir mal sehen.“ Der Schleifer zog seinen Rock aus und krempelte die Hemdsärmel hoch. Der Pfarrer wusste, was kommen sollte. Er sprang auf und ergriff die Flucht, denn er wollte keinen Streit haben. Aber kaum war er zur Tür hinaus, da setzte der Schleifer auch schon zur Verfolgung an. Die fünf anderen erklärten sich solidarisch, und wie die wilde Jagd ging es die Straße entlang. Der erste Schleifer war kurz hinter dem Pfarrer, so dass er nach ihm griff. „Häste en?“ (hast du ihn), brüllten die hinteren. „Enee“ erschallte die Antwort. Kurze Zeit hernach griff er erneut nach dem Pfarrer, und wieder kam die Frage von rückwärts: „Häste en?“ Nein, er hatte ihn noch nicht, und weiter ging die Jagd. Zum dritten Male griff der Schleifer nach dem Pfarrer und zum letzten Male kam der Ruf „häste en,“ Nein, er hatte ihn noch immer nicht, doch als er zum vierten Male nach dem Pfarrer griff, da hatte er ihn, und als die anderen herangekeucht kamen, bezog der Pfarrer eine Tracht Prügel. Angeblich, weil er sie im Sonnenbrand so laufen hatte lassen. Die Stellen jedoch, wo der Schleifer nach dem Pfarrer gegriffen hatte, und wo die nachfolgenden „häste en“ gerufen hatten, wurde von Stund an I., II. und III. Hästen genannt. Der Berg, auf dem man den Pfarrer eingeholt hatte, hieß von Stund an der „Pfaffenberg“.

Quelle: ST 22.2.1958 - SArchiv 29.7.2005

Blick auf Balkhausen und den Pfaffenberg: vom Landrat-Lucas-Weg (April 2007)Blick auf Balkhausen und den Pfaffenberg: vom Landrat-Lucas-Weg (April 2007)

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Kommentare

Ups

Hey, Danke für das Bild und die Historie. An das Haus, kann ich mich sogar noch erinnern. Pfarrers Geschichte hat man mir damals aber nicht beigebracht.

damals im April

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich letztes Jahr im April oben
vom Restaurant aus hin zum Hang, dann den schmalen
Serpentinenpfad hinunter zur Wupper, ein paar Meter Richtung
Glüder und dann den Berg wieder hinauf spaziert bin.
GCYAWQ

Trotz

aller Anstrengungen, ein schöner Weg.
War es nicht so?

Ja.

Ein Ja ohne Einschränkung. Besonders nett ist der Abstieg zum Balkhauser Kotten -- der war damals noch ganz ohne Anstrengung aber nicht ohne Schwierigkeit.

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