Schleifer - kreativer Umgang mit Gebäudeversicherungen ?

Was Tante Google so alles in gescannten Büchern zu Tage bringt:

Veraltete Einrichtungen von Fabriken, die an und für sich gar keine Feuersgefahr bieten, sind häufig Ursache des Brandes, so sind z. B. die sogenannten Schleifkotten — das Schleifen der Stahlwaren bietet doch wahrlich keine Feuersgefahr — zu einer traurigen Berühmtheit in unserer Societät gelangt.

Diese Schleifkotten bestehen aus einem ausserordentlich dürftigen, meist schlecht unterhaltenen, baufälligen Gebäude — im Dialekt des Bergischen Kotten genannt —. Sie liegen oft in abgelegenen kaum zu Fuss zu erreichenden Thälern, an einem Gebirgswässerchen, was Gefälle genug bietet, um mehrere Schleifsteine in Bewegung zu setzen, dem es bei trockener Jahreszeit an Wasser fehlt und welches bei Frost zufriert.

Die Anlegung von Dampfschleifereien, zu denen die Schleifer keinen so weiten und unbequemen Weg haben, in denen sie bessere Schleifstellen miethen können und wo das Schleifen bei jeder Jahreszeit möglich wird, dürfte bei der ganz unverhältnissmässigen Zahl von Bränden solcher Kotten wohl nicht ohne Einfluss bleiben.

Die Societät versicherte vom Jahre 1837 bis incl. 1863 durchschnittlich 118 Schleifkotten und vereinnahmte dafür an Prämien 6300 Thlr.; es brannten in dieser Zeit 41 Schleifkotten ab und verlangten eine Gesammtentschädigung von 30 906 Thlr.

Im Jahre 1863 revidirte demnach die Directum alle Schleifkotten; das Versicherungs- Capital verminderte sich dabei von 141 600 Thlr. auf 103 440 Thlr., und brannten nach dieser Revision nur noch 2 Schleifkotten nieder. Wenn, wie angegeben, in 26 Jahren 41 Schleifkotten abbrannten, so hätten in den 4 Jahren nach der Revision, falls diese ohne Erfolg geblieben wäre, in demselben Verhältnisse 6 dieser Gebäude abbrennen müssen.

Quelle: Verhandlungen der Conferenz von Vertretern öffentlicher Feuerversicherungs-Anstalten in Deutschland am 25., 26. und 27. Juni 1867 zu Berlin im Ständehause der Kurmärkischen Provinzialstände…, Berlin 1868, Verlag von E. S. Mittler und Sohn, Königliche Hofbuchhandlung.

Zum Thema Kottenbrand: Geschichte, deren Quellen und die Abwege

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Kommentare

Immer wieder

gerne gelesen.

Durch Gewinnsucht des Eigenthümers selbst

"Dass sich die Brandfälle seit Entstehen der vielen Assecuranz-Gesellschaften gemehrt haben, ist eine leider nicht zu leugnende Thatsache, ..."

a.s.O.

Soso, warm sanieren. Tsts.

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