Perfektes Timing

Noch gestern und heute betonte man in der örtlichen Presse den großen Erfolg des Müngstener Brückenfestes: Dampfloks spielten die Hauptrolle oder „Brückenfest kurbelt Tourismus an“

rostende Müngstener Brückerostende Müngstener Brücke

Jetzt scheint sich zu manifestieren, was bisher in der Gerüchteküche brodelte.

Beim WDR-Studio Wuppertal heißt es: Müngstener Brücke muss überprüft werden
Zitat: Auf der Müngstener Brücke dürfen vorläufig keine Güterzüge mehr fahren, die schwerer als 100 Tonnen sind. Der Personenverkehr mit dem „Müngstener“ ist von der Regelung nicht betroffen. Die Bahn AG hat die Teilsperrung vorsorglich beschlossen, weil das Eisenbahn-Bundesamt derzeit die Sicherheit der Brücke anzweifelt. Rita Jäger: Nach Angaben des Eisenbahn-Bundesamtes liegen Instandhaltungsmängel vor. Man warte derzeit auf weitere Berechnungen der Bahn AG. Erst dann soll über eine endgültige Sperrung entschieden werden. Die Bahn AG teilte heute (27.10.2009) mit, dass sie die Statik des mehr als einhundert Jahre alten Bauwerks mit Hilfe eines Reparaturwagens überprüfen werde. Damit könnten alle Bögen, Stützen und Gewölbe begutachtet werden. Das Ergebnis werde im Sommer nächsten Jahres (2010) erwartet. Betroffen seien täglich bis zu drei Güterzüge.

Na super. Nur zur Erinnerung: Eine der am Wochenende zum Einsatz gekommene Dampflokomotive, die 78 468 bringt alleine schon gut 100 Tonnen Gewicht auf die Brücke.

Muss demnächst das Brückenfest ohne die historischen Dampflokfahrten auskommen?

Ich sehe gerade, dass das Solinger Tageblatt in seiner Online-Ausgabe vorab ebenfalls die Frage stellt: „Wie marode ist die Müngstener Brücke?“ und schreibt, dass auf der Müngstener Brücke bis auf weiteres nur noch Personenzüge mit einem Gesamtgewicht von maximal 100 Tonnen fahren dürfen.

Radio Wuppertal und Radio RSG vermelden fast gleichlautend: Die Müngstener Brücke ist offenbar so marode, dass sie nicht mehr normal befahren werden kann. Nach Angaben der Bahn ist die Brücke ab sofort für Züge mit einem Gewicht von mehr als 100 Tonnen gesperrt. Das betreffe ausschließlich Güterzüge, von denen bisher zwei am Tag über die Brücke fuhren. Der Müngstener, wie die Regionalbahn 47 auf der Strecke Wuppertal–Remscheid–Solingen genannt wird, sei davon nicht betroffen.

In Remscheid titelt der Waterbölles: Bundesbahnamt lässt Sicherheit der Brücke überprüfen

Nachträgliche Links:

  • rponline 28.10.2009 :: Müngstener Brücke teilgesperrt \\ Alles freiwillig, alles bekannt, alles besprochen ... alles nicht in die Öffentlichkeit getragen.
  • st, Papierausgabe 28.10.2009 :: „Vertrauensverlust“ – Der mehrt sich bei mir auch, wenn ich von korrodierenden Nieten lese.
  • rponline 05.11.2009 :: Lagerschaden an der Brücke – auch hier sind die Nieten in der Redaktion angekommen.

Wieso betrifft die Sperrung nur Güterzüge? Sind Menschen in Personenzügen kein höchst wertvolles Transportgut?

Nachtrag 18.01.2010:In einer Pressemitteilung lässt die Stadt Solingen verlauten, dass auch zum Brückenfest 2010 wohl Dampflokomotiven die Müngstener Brücke befahren werden. Die Deutsche Bahn teilte in einem Schreiben vom 6. Januar der Wirtschaftsförderung Solingen – die das Fest organisiert – mit, sie habe „nach derzeitigem messtechnischen Untersuchungsstand“ keinerlei Bedenken.

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Kommentare

Übergewicht

Also bitte, so fett sind die Leute noch nicht, dass sie mehrere hundert Tonnen in einem Schienenbus (ich nenn auch die neuen Dinger noch so) unterbringen. So ein Güterzug ist länger und kann sicherlich in einem Waggon schon diese Masse fassen.

Aber vielleicht machen's demnächst da noch einen Radweg hoch oben auf.
Korkenzieher, ick hör dir trapsen.

Trapsen

Es würde mich nicht wundern, wenn man genau dann die Strecke schließt, nachdem man an ihr alle Bahnbauwerke erneuert hat.
Wie war das damals ins Wuppertal mit der Straßenbahn?

Straßenbahn

An der Straßenbahn in W hat man lange Zeit nur das absolut notwendige getan. Die wollten nichts (mehr) modernisieren. Wo die Straße gerade neu gepflastert wurde, wurden auch die Schienen schön eingebettet. Neueste Lärmdämm-Methoden im Gleisbett gab es nicht, neue Züge gab es nicht. Die alten Rappelkisten verschreckten jeden ÖPNV-Fan. Das war vielleicht auch beabsichtigt.
Als der VRR kam, kam auch die Erkenntnis, dass es konkurrierende Systeme auf derselben Strecke (Straßenbahn verlief teilweise parallel zur Schwebebahn) nicht geben darf. Endlich hatte man ein Argument, der Straßenbahn den Todesstoß zu versetzen.
Heute fahren Busse parallel zu Schwebebahn und konkurrieren offensichtlich nicht.

Wagenpark

Hat man vor dem Todesstoß nicht noch den Wagenpark erneuert? Oder verwechsele ich da etwas?

Neue Wagen

Wohl kaum erneuert, vielleicht irgendwo ein paar ausgemusterte übernommen. Die Kurzzüge für den bidirektionalen Betrieb wurden m.W. nie erneuert. Die Langzüge hatten die mal aus Abfall aus Dortmund (kann auch anderswoher stammen) ersetzt oder aufgestockt. Das sind so meine Erinnerungen.
Irgendwo hier im Regal lagert noch ein Buch über W Straßenbahnen. Mal schauen, vielleicht habe ich morgen ein wenig Zeit darin zu blättern.

..... -----

Warum nicht der Personenverkehr

Der 628 bringt ~60t auf die Waage. Bleiben 40t für ~150 Personen bei voller Besetzung. Hmmm, 26Kg pro Person? Oder habe ich mich verrechnet? [Ja, es wären 267kg pro Person] Und bei Begegnung ist die Rechnung eh fürn A...

Aber wie ich schon per Mail schrieb: Wir hatten das schoneinmal! Bis aufs letzte (Einspuriger Verkehr, 20km/h, keine Güterzüge) wurde es hinausgezögert, die Brücke zu prüfen und zu warten.

Zitat ArminG.: >>Und bei

Zitat ArminG.:
>>Und bei Begegnung ist die Rechnung eh fürn A...<<

Sehe ich auch so...
Wenn die Brücke seit 27. Oktober für Züge über 100 t gesperrt ist...
Höchst seltsam...

Am 28. Oktober um 16:06 (meine Lumix geht 2 Min nach und ich habe noch die Sommerzeit eingestellt, 17:04) sah ich zwei Triebwagen im „Begegnungsverkehr“ auf der Brücke...


Habe ich zufällig „knipstechnisch“ den allerletzten Begegnungsverkehr auf der großen Brücke festgehalten?
Habe ich außerdem am vergangenen Sonntag den letzten Dampfzug auf der Brücke erwischt?

Fragen über Fragen...

NoMe

Kann nicht sein

was nicht darf.

Bestimmt eine Montage!

Keine Montage

Nein, es ist keine Montage -

Auf Arbeit

Danke für den Hinweis.

Man merkt unsere Nähe zum Kohlenpott: „Wie groß war das Risiko auf Brücke?“

Folgender Artikel vom 9.01.2009 ist auch bemerkenswert. Und da sagt noch einer, Politiker wären keine Visionäre: Konjunkturspritze für Müngstener Brücke?

Darf ich,

als geborener Ruhri und umgesiedelter Solinger folgendes dazu bemerken?

"Auf Schalke" würde "auf Brücke" entsprechen.
Da der Artikel für Schalke unbestimmt ist. Der/die/das Schalke?
Es wird ersatzlos gestrichen.

Wenn es "die" Brücke ist, dann müsste es heißen: aufe Brücke.
Beispiel: "Der Zuch aufe Brücke is wech." oder "Der Zuch is wech vonne Brücke."

Wenn es "der" Mond ist, dann heißt es: aufm Mond.
Beispiel: "Die Amis warn aufn Mond." oder "Aufn Mond waren die Amis auch mal."

Wenn es "das" Auto ist, dann heißt es aufes Auto.
Beispiel: "Der Piepmatz hat aufes Auto geschissen."

Wenn es "eine" Brücke ist, dann müsste es heißen: aufer Brücke.
Beispiel: "Aufer Brücke fährt kein Zug mehr."

Aber sischer doch

Herzlichen Dank für den Einblick.

Madonna

Die Einnahmen aus dem Betrieb der Straßenbahnstrecken in W deckten zuletzt nur noch 35% der Kosten, schreibt irgendwer. Wollte man heute die Bahnstrecke Remscheid-Solingen neu bauen, würde eine Kostennutzenanalyse jeden Befürworter zu einem Fantasten erklären.

Ja, es ist ein imposantes Bauwerk, aber eigentlich recht nutzlos.

Sie zieht viele Touristen an, schreibt die Zeitung. Ach? Wirklich? Die da parken auf den vielen Parkplätzen, das sind die Leute aus W-SG-RS, die dort ihr Wochenende verbringen. Die Brücke ist gar nicht so wichtig: Wupper und Landschaft zählen deutlich mehr.

Der Brückenpark bereitet vielleicht heute schon das vor, was die Zukunft eines Tages bringt: die Brücke, weil marode und gefährdend, wird abgerissen. Das Geld für eine Instandsetzung ist nicht da, einen Nutzen bringt die Brücke nicht mehr. Die Besucher kommen trotzdem.
Vielleicht tut es die Brücke ja doch noch als Radweg. Die Anforderungen an die Tragfähigkeit sind deutlich geringer. Die Umsetzung ließe sich noch finanzieren. Nebenher könnte man noch ein Launchplatform für die bauen, die die Brücke immer schon auf ihre eigene Art liebten: Paraglider, Basejumper, Bungee-Springer

Könnte man nicht für die wenigen Touristen eine Madonna aufstellen? Irgendetwas, das in den Prospekten steht, und den gelangweilten Mitbürger dazu verleitet, nicht zum 20. Mal den Kölner Dom zu besteigen, sondern einmal auch ins Tal der Wupper zu fahren.

Was kostet es? Und wer ist bereit, dafür -- auf welche Art auch immer -- zu zahlen?

Vielleicht drehen wir auch erst einmal eine neue Runde: eine Brückensperrung, so lese ich hier, gab es früher schonmal.

Auf Arbeit? Nee, auf Urlaub!

Das ist ein Irrtum

Jahrzehnte habt Ihr im "Städtedreieck" die Attraktion der Region und die Umgebung vergammeln lassen, weil Ihr geglaubt habt, alle wären so desinteressiert wie Ihr selbst. Das änderte sich an dieser Stelle nur, weil man Euch Geld für den Brückenpark geschenkt hat. Erst damit hat man es geschafft den vielen ausländischen Besuchern, die sogar aus Asien kommen, einen angemessenen Rahmen zu bieten. Im Vergleich mit anderen touristischen Zielen in Europa finde ich es immer noch peinlich.

Wer ist 'Ihr'?

Wo ist der Irrtum? Das geht aus deinem Beitrag nicht hervor.
Du widersprichst im Titel, bestätigst dann im Text: es verlangt Geld, sehr viel Geld. Woher kommt das Geld? Weil es die Solinger und Remscheider nicht haben, die Wuppertaler aber auch interessiert sind, aber alle eigentlich Pleite sind, haben alle drei weiter oben, wo noch Geld ist, geklopft und gepoltert.
Damit ist dann ganz unten etwas getan worden, doch um hoch oben hat sich keiner gekümmert. Das sollte die Bahn tun. Die rechnet aber, sieht keinen Profit. Die Städte wollen aber nicht für die Brücke auch noch zahlen. Das Geld fehlt.

Die ganz großen Attraktionen in Europa leben nur dort, wo täglich, wirklich täglich, viele, sehr viele Leute vorbeikommen und Geld liegen lassen. Das gibt es an der Müngstener Brücke nicht. Dort gibt es weder die Menge Mensch, noch lässt irgendwer dort Geld liegen.

Kosten-Nutzen-Analyse

Würde die DB alle Strecken stilllegen, die sich nicht "rechnen", dann blieben nur noch ein paar Hauptstrecken übrig, die so überfüllt wären, dass Güterzüge und der ÖPNV – wenn überhaupt – nur ein paar mal im Jahr verkehren könnten. Übertragen auf das Straßennetz: Feldwege gibt es nicht mehr, Landstraßen purer Luxus, Bundesstraßen werden toleriert … wir haben doch die Autobahnen.

Von hängenden Bremsankern und Schwingungskräften

Es gibt neue Gerüchte, das Solinger Tageblatt schreibt in seiner Samstagsausgabe (31. Oktober 2009):

Hängen Bremsanker fest?: Quelle: Solinger Tageblatt vom 31.10.2009Hängen Bremsanker fest?: Quelle: Solinger Tageblatt vom 31.10.2009

Hat jemand eine Ahnung, was Bremsanker sind?

Ich habe schon einmal von Schubkräften gehört, wenn ein Zug auf einer Brücke bremst. Schwingungskräfte? Fragen über Fragen.

alles schwingt

Ist doch gar nicht so schwierig. Angenähert durch eine einfache Differentialgleichung wird das sofort klar: die Lösung einer solchen Gleichung enhält immer einen schwingenden Term, der per e-Funktion gedämpft irgendwann verstirbt.

Schubkräfte verschieben, längen, aber nur temporär. Das Material, die Masse will zurück in die Ausgangslage. Zurück in Ausgangslage kommt die Masse etwas zu schnell an, schwingt über, wird gebremst, geht wieder zurück in die andere Richtung -- aber nicht mehr so weit. Das pendelt eine Weile, bis nichts mehr schwingt.

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