Die Brautpaargrotte

Wer in Solingen sich das standesamtliche Ja-Wort gibt, der kommt an diesem Prachtbau nicht vorbei.

Haus Kirscheide, Neuenhofer Straße 36: denkmalgeschützer Bau, Standesamt der Stadt SolingenHaus Kirscheide, Neuenhofer Straße 36: denkmalgeschützer Bau, Standesamt der Stadt Solingen

Was die Geschichte des Hause betrifft, die kann man in groben Zügen auf der Homepage der Stadt Solingen unter Haus Kirschheide nachlesen. Da die Seite gerne unter Ladehemmung leidet, habe ich den Text geguttenbergt:

Das Haus Kirschheide ist eine wunderschöne Villa, die Ende des 18. Jahrhunderts [1782, Weiße Seite der Kirschheide, Rthal, II19] im klassizistischem Stil erbaut wurde. Das prächtige Anwesen blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Als eines der ersten Steinhäuser in der Gegend, an der alten "Rhein-Chaussee" gelegen, diente es zunächst einem Solinger Stahlwarenkaufmann [Joh. Abraham Knecht Joh. Sohn, Rthal, II186] als kombiniertes Wohn- Geschäftshaus. Der Name "Haus Kirschheide" geht auf die Schleiferfamilie Kirsch zurück, die Anfang des 18. Jahrhunderts auf dem "Gut an der Heiden" ansässig war.

a. d. Heide: Karte von Ploennies aus dem Jahre 1715a. d. Heide: Karte von Ploennies aus dem Jahre 1715

Die Straße nach Köln verband Solingen aber nicht nur mit der großen Geschäftswelt, sondern brachte auch mancherlei Kriegsvölker und drückende Einquartierungen mit sich, wie z. B. 1796 die französische Besatzung. Nach 1815 wurde das Haus für anderthalb Jahrzehnte administratives und gesellschaftliches Zentrum des neugeschaffenen Landkreises Solingen. Als Wohn- und Amtssitz des preußischen Landrates war es gewissermaßen Knotenpunkt für alle "Befehle von oben" und alle "Wünsche von unten".

Weiße Seite der Kirschheide: (vor 1972, Quelle Rsthal.BII87)Weiße Seite der Kirschheide: (vor 1972, Quelle Rsthal.BII87)

Zwei Jahrzehnte später kam es jedoch zu einem unschönen Ereignis im Haus Kirschheide. Der erste Solinger Landrat, Freiherr Ludwig von Voß, soll sich hier - nachdem er einen Brief mit Schillers Wallenstein-Zitat hinterlassen hatte "Ich bin müde und des Lebens satt", wohl infolge hoher Privatschulden, - erschossen haben.

Nachdem auch die Verwaltung des inzwischen erweiterten Landkreises nach Opladen verlegt worden war, wurde es zunächst von einem Kaufmann genutzt und 1849 vom Höhscheider Bürgermeister Peter Daniel Berger erworben. Dieser vererbte es seiner Tochter, die mit dem Präsidenten der Solinger Industrie- und Handelskammer und späteren Kreistagsabgeordneten August Neeff verheiratet war. Für seine Verdienste um die große Weltausstellung in Wien wurde Neeff 1873 vom Kaiser mit dem Roten Adler Orden ausgezeichnet.

1920 ging Haus Kirschheide in den Besitz der Fabrikantenfamilie Felix über, die das Anwesen mit hohem finanziellen Aufwand renovierte.

Im zweiten Weltkrieg diente das Haus mit seinem großen Mittelgewölbe im felsgemauerten Keller manchem Höhscheider Bürger als Luftschutzraum.

1967 erwarb die Stadt Solingen das Gebäude, um es im Zuge ihrer Verkehrsplanung dem Erdboden gleichzumachen. Zum Glück kam es nicht dazu. Nach einer aufwändigen Generalsanierung wurde Haus Kirschheide 1979 Sitz der "Zentralstelle für den deutschsprachigen Chorgesang in aller Welt".

Ende 1993 zog das Solinger Standesamt hier ein, und seitdem bildet das prächtige Anwesen die edle Kulisse fürs Jawort.

Apropos edle Kulisse: Der Knaller ist diese künstliche Grotte im Garten der Villa.

Die Grotte für das Brautpaar am  Haus KirschheideDie Grotte für das Brautpaar am Haus Kirschheide

Frage: Weiß jemand, welche Häuser zur Blauen Seite der Kirschheide (Rokoko,1772) zähl(t)en? Blau = Schiefer?

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Kommentare

Danke für diese Infos,

Danke für diese Infos, wirklich interessant!
In diesem Obstheidehaus haben wir vor drei Jahren geheiratet.
Die grottenhässliche Grotte haben wir garnicht erst in Augenschein genommen.
Wir hatten zum Glück außer uns beiden auch niemanden dabei, der irgendwas hätte fotografieren wollen.
Die Standesbeamtin war damals wirklich cool drauf. War bestimmt keine Solingerin ;-))

Blaue Seite der Kirschheide

Das Rokoko-Schieferhaus soll 1908 abgebrannt sein. Es ist bei Rosenthal II (S. 88) abgebildet. Das Baujahr bei der Bildunterschrift stimmt nicht mit dem Text (1772) überein, bei der "Weißen Seite" (S. 87) ebenfalls nicht.

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